Winterzauber

Aus Sicht der Meteorologie beginnt der Winter am 01.12. und endet am 28. Februar. Er bietet die Zeit einmal innezuhalten, auf das vergangene Jahr zurück zu schauen und auch schon ein bisschen für das kommende Jahr zu planen. Jetzt ist auch die Zeit Dinge zu erledigen, die liegen geblieben sind, aber auch Zeit einmal mit einem Buch - natürlich zum Thema Obstbau – auf dem Sofa zu liegen.

Praktische Tätigkeiten gibt es natürlich in der kalten Jahreszeit auch viele, denn die Schnittsaison beginnt je nachdem wann und wie lange der Winter Einzug hält, Mitte Januar. Neben dem Winterschnitt ist auch in dieser Jahreszeit daran zu denken, welche Sorten zu sichern sind, das heißt von entsprechenden Obstbäumen sind Edelreiser zu schneiden und einzulagern, um entsprechende Sortensicherung und –Vermehrung erledigen zu können.

Wenn man an die vorhergehende Jahreszeit denkt sollten jetzt die Frucht-Maischen durchgegoren sein und zum Brenner zum Destillieren gebracht werden und das im Herbst gefüllte Obstlager ist regelmäßig zu kontrollieren. Darüber hinaus sollte die winterliche Ruhe auch zum Instandsetzen, Pflegen und Warten der Werkzeuge genutzt werden. Nachfolgend sind die winterlichen Arbeiten nochmal zusammengefasst:
Was gibt es im Winter zu tun?
- Obstbaumschnitt
- Pflanzschnitt
- Erziehungsschnitt
- Überwachungsschnitt
- Bestandserhaltende Schnittmaßnahmen bei Altbäumen
- Beerenobst-Schnitt
- Obstbaum-Schnittkurse
- Heckenpflege und der Schnitt von Kopfweiden bis Ende Februar
- Veredelungsreiser schneiden und einlagern
- Steinobst bereits im Dezember, Kernobst Anfang Januar
- Veredelungen mit der Kopulations-Methode ab Februar
- Baumpflanzungen bei frostfreiem Boden
- Baumscheibenpflege bei Jungbäumen: Bodenbearbeitung bei frostfreien Boden
- Werkzeugpflege
- Obstlager auf verdorbenes Obst kontrollieren
- Einmaischen reifen Obstes zum Schnapsbrennen
- Durchgegorene Maischen zum Brenner bringen und destillieren und einstellen lassen
- Stammpflege => Vorbeugung von Spannungsrissen
- Erste Schädlingsbekämpfung, z.B. gegen die Kräuselkrankheit des Pfirsichs
- Weiterbildungen, Kurse, Fachtagungen besuchen

Frühlingserwachen

So langsam reicht es mit Kälte, Schnee und Eis. Von den bizarren Winterlandschaftsbildern hat man sich mittlerweile sattgesehen. Die Winterarbeiten wie Instandsetzung und Pflege von Werkzeug und Maschinen sind erledigt und die Geräte stehen für bevorstehende Arbeiten im Frühjahr bereit.

Man sehnt sich nach kräftigen Sonnenstrahlen und freut sich neben den ersten Frühlingsboten wie Schneeglöckchen und Winterlingen auf das junge frische Grün des Neuaustriebs, erwachendes Vogelgezwitscher und vor allem auf Blütenmeere, die die Landschaft prägenden Obstbäume in den Streuobstwiesen entstehen lassen. Das Summen der Bienen in den duftenden Streuobstwiesen vermittelt jetzt endgültig den sehnsüchtig erwarteten Frühling.

Neben diesen tollen Eindrücken die jetzt alle unsere Sinne fordern gibt es aber zahlreiche wichtige Tätigkeiten in den Baumgärten zu erledigen, wenn, man nur an den Erziehungsschnitt denkt, der unbedingt vor dem Laubaustrieb abgeschlossen sein muss, um alle Austriebskraft für die Kronengerüsterziehung nutzen zu können. Wenn man an die Gesetzeslage bezüglich des Naturschutzes denkt, müssen in der freien Landschaft die Schnittmaßnahmen in als Biotop kartierten Streuobstbeständen und die Kopfweiden- und Heckenpflege bis Ende Februar abgeschlossen sein. Zusätzlich ist jetzt nach Abschluss der Schnittarbeiten die Zeit zum Veredeln gekommen. Wenn man z. B. das Umveredeln älterer Obstbäume betrachtet, gilt der Zeitpunkt der Blüte als bester Termin, denn jetzt lässt sich die Rinde am besten lösen.

Nachfolgend sind die wichtigsten Arbeiten im Frühjahr nochmal übersichtlich zusammengefasst:
Was gibt es im Frühling zu tun?
- Schnittmaßnahmen bis etwa Anfang April zu Ende bringen
- Überwachungsschnitt
- Pflanzschnitt bei Neupflanzungen unbedingt vor Laubaustrieb erledigen
- Pflanzenschutz
- Kontrolle der Pflanzungen auf Krankheits- und Schädlingsbefall
- Pflanzenschutz nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes
- Stammpflege => Vorbeugung von Spannungsrissen durch hohe Temperaturunterschiede
- Baumverankerung und Verbissschutz kontrollieren
- Vogelsitzstangen erstellen zur Vorbeugung von Mäusedruck
- Veredeln von Obstgehölzen
- Kopulation
- Geißfuß
- Rindenpfropfen, wenn sich die Rinde löst => zum Zeitpunkt der Blüte
- Aufpflanzen von Veredlungsunterlagen für Sommerveredlung
- Unterwuchspflege, d. h. Schnittgut von Schnittmaßnahmen beseitigen
- Baumscheibenpflege bei Jungbäumen (bis 6. Standjahr)
- Flaches Aufhacken der Baumscheibe junger Bäume um die Graskonkurrenz zu verhindern (bis zum 6. Standjahr)
- Düngung junger Obstbäume
- Mulchen der Baumscheiben bis zum sechsten Standjahr
- Vorsicht Mulch im Herbst entfernen wegen Mäusedruck
- Gießränder korrigieren
- Veredelungskurse




Sommertraum
Genießen wir schöne sonnige Tage in den sommerlichen Streuobstwiesen mit ihrem ganzen Erholungswert außerhalb der Hauptarbeitssaison. Neben Grillabenden im Baumgarten mit Freunden, dem ein oder anderen genussvollen Streuobstwiesenbesuch mit eigens hergestellten Produkten, die uns in die Aromawelt der letzten Ernten entführen, freuen wir uns auf den bevorstehenden Jahresurlaub.

Obwohl der Sommer uns Gelegenheit gibt das Streuobst in Form von Erholung zu nutzen - es erlaubt direkt in den Baumgärten unsere Seele baumeln zu lassen und neue Kraft für arbeitsreichere Jahreszeiten zu tanken, gibt es auch in dieser Jahreszeit Verschiedenes zu tun: Neben Tätigkeiten wie Unterwuchspflege, Bewässerung, Pflanzenschutz, Sommerschnitt und Sommerveredlung werden auch bereits die ersten Früchte in den Obstanlagen reif und müssen geerntet werden. So werden jetzt die Kirschen reif, welche z.B. in Marmeladen, Weck-Obst oder auch als Maische in ein edles Destillat verwandelt werden können. Gleichzeitig werden die Früchte des Beerenobstes reif und wollen geerntet und verwertet werden. Zusätzlich beschert uns auch Wildobst erste Aroma-Ernten nicht nur aus deren Früchten, sondern sogar aus aromatischen Blüten, wenn man nur an die vielseitig verwendbaren Holunderblüten denkt.

Entsprechend der Witterung gibt es natürlich neben Genuss und Ernte auch in dieser Jahreszeit einige wichtige Pflegemaßnahmen in der Streuobstwiese zu erledigen:
Juniriss – Ausreißen der Wasserschosse mit der Hand, zum einen werden die schlafenden Augen mit entfernt, was beim Schnitt im Winter nicht geschieht, zum anderen wird die Stippeneigung bei den Äpfeln reduziert.

- Sommerschnitt bei Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Kirschen – stärkere Schnitteingriffe sollten im Winter durchgeführt werden, bei der Kirsche im Spätwinter.

- Nußbaum-Schnitt im August
- Fruchtbehang-Regulierung und Fruchtausdünnung bis Ende Juni

- Nachbehandlung von Veredlungen

Umveredelungen
- Freistellen der Pfropfköpfe
- Wildtriebe entfernen
- Zugast entfernen (August)
- Vogelsitzstangen zum Schutz vor Vögeln anbringen

Winterhandveredelungen / Kopulationen
- Wurzelaustriebe entfernen
- Wildtriebe der Unterlage entfernen
- Edeltrieb stäben und heften
- Wachstumskonkurrenz entfernen
- Pflanzstreifen unkrautfrei halten

- Sommerveredelung / Sortensicherung (Okulation oder Chip-Budding)

- Pflanzenschutz
- Kontrolle der Bestände auf Mehltau – betroffene Triebspitzen zurückschneiden
- Kontrolle der Bestände auf Feuerbrand
- Befallene Äste entfernen und Schnittgut verbrennen
- Kontrolle der Baumscheiben auf Mäusebefall, ggf. Bekämpfung
- Entfernen von Fallobst - Unterwuchspflege/Heu
- Mahd der Streuobstwiese, am besten zweimal, Ende Juni und ab Ende August
- Heuernte, Mähgut auf der Fläche trocknen und abräumen
- mindestens 1x pro Jahr mulchen

- Baumscheiben bei Jungbäumen, die in der Erziehungsphase sind frei von Vegetation halten. Bei Bedarf Bodenlockerung/Bodenbearbeitung = Vorbeugung von Wühlmausbefall
- Gießen, bei längerer Trockenheit auch ältere Bäume

- Obsternte und Verwertung (Kirschen, Beerenobst und Frühzwetschgen)

- Planung von bevorstehenden Herbstpflanzungen /Neuanlagen/ Vorbestellung der entsprechen Sorten/Material
Herbstgenuss
Der Sommer verabschiedet sich langsam, die Tage werden wieder kürzer und in den Morgenstunden stehen bereits die Nebelschwaden zwischen den Obstbäumen: Die Obstbäume wirken kraftstrotzend und doch erschöpft durch herabhängende Fruchtäste mit reichem Behang an Obst, das zwischen dem bereits herbstlich verfärbten und leuchtenden Laub glänzt. Es beginnt die Haupterntezeit in den Streuobstbeständen.

Jetzt beginnt die Rohstoffgewinnung als Grundlage für die Herstellung einer großen Bandbreite hochwertiger und edler Obst-Produkte, die uns neben den Gaumenfreuden mit ihren vielfältigen Aromen auch mit ihren bedeutenden gesundheitlichen Nutzen erfreuen. Es ist jetzt wichtig, an sämtliche Verwertungsarten zu denken, um die Obsternte optimal nutzen und verwerten zu können. Das Ziel sollte sein durch ein vernünftiges Verwertungskonzept das Obst im eigenen Haushalt zu nutzen. Fällt die Ernte so reich aus, dass diese nicht vollständig im eigenen Haushalt zu verwerten ist, sollte das übrige geerntete Obst einer externen Verwertung zugeführt werden, nach dem Motto
„Streuobst nützen – Kulturlandschaft schützen!“

Heutzutage bestehen wieder mehr Möglichkeiten Obst zu verwerten. Neben der eigenen Verarbeitung zu Säften, Most, Destillaten, Likören, Weck-Obst, Dörr-Ost und Fruchtaufstrichen besteht die Möglichkeit insbesondere Äpfel und Birnen aus Streuobstbeständen bei Aufpreis-Saftinitiativen gegen Entgelt abzuliefern, was der Inwertsetzung unserer Streuobstbestände zugutekommt, indem das Interesse zur Nutzung, Pflege und Erhaltung durch diese Verwertungsmöglichkeiten geweckt wird.

Vielleicht haben Sie an die ein oder andere Verwertungsform ihres Obstes im eigenen Haushalt, die für Sie interessant sein könnte im Eifer der Obsternte nur nicht gedacht? Deshalb haben wir Ihnen eine kurze Ideensammlung als Gedankenstütze oder Anreiz zur Verwertung Ihres eigenen Streuobstes im eigenen Haushalt, aufgelistet:
- Einlagerung von Tafelobst zum Essen und Backen/Kochen
- Deftige Kochgerichte mit Obst
- Mehlspeisen
- Backen
- Einmachen/ Einwecken
- Marmeladen
- Mus
- Gelees
- Chutneys
- Dips
- Fruchtleder
- Dörren
- Veredlung von Dörrobst z.B. durch Schokolieren
- Saft
- Wein
- Most
- Secco
- Einmaischen für die Destillat-Herstellung
- Einmaischen für die sortenreine Destilat-Herstellung
- Likörherstellung
- Essig-Herstellung
- …
Was es im Herbst sonst noch zu tun gibt:
- Obsternte und Verwertung
- Säubern von Nistkästen
- Pflanzung von Obstgehölzen
- Neuanlage von Streuobstbeständen
Der Wert einheimischen Obstes aus Streuobstwiesen oder Apfel ist nicht gleich Apfel
Das Gesunde im Apfelsaft
Die Inhaltsstoffe im Apfel sind in hohem Maße gesund. Der Spruch „An apple the day, keeps the doctor away“ stimmt. In gutem Saft ist auch das Gesunde des Apfels. Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Apfel und Apfelsaft sind nicht die Vitamine, sondern die Polyphenole und Pektin. Diese schützen unsere Körperzellen vor den sog. Freien Radikalen. Je mehr Polyphenole die Äpfel und der Apfelsaft enthalten, umso höher ist dieser Effekt. Der Polyphenolgehalt ist stark abhängig von Sorte, Anbauklima und Reifung. Mostäpfel haben bis zu 10mal mehr davon als Tafeläpfel. Die Polyphenole konzentrieren sich in der Schale und in den Kernen. Die Frage, ob Apfelsaft naturtrüb oder klar getrunken wird, ist von entscheidender Bedeutung, denn naturtrüber Saft enthält deutlich mehr Polyphenole als klarer Saft.

Durch verschiedene Studien ist erwiesen, dass naturtrüber Apfelsaft aus Mostäpfeln nachweislich vor Darmkrebs und anderen Darmerkrankungen schützt. Außerdem haben Forschungen ergeben, dass Apfelsaft und Äpfel für eine starke Senkung des LDL-Cholesterins sorgen, das im Zusammenhang mit Herz- Kreislauferkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfällen steht. Wo gibt es heute noch Mostäpfel? In Supermärkten überhaupt nicht mehr, auf Wochenmärkten vereinzelt. Auf den Streuobstwiesen gibt es noch die alten Sorten. Die Streuobst-Verwertungsinitiativen wie der "Hesselberger" und der "Einheimische" (siehe unter "Links") sammeln diese Äpfel an verschiedenen Standorten und verarbeiten sie zu hochwertigem Apfelsaft und anderen Produkten.
Zum Schluss kurz zur Walnuss
Was oben zu den Äpfeln gesagt wurde, gilt auch für die Walnuss. Sie gehört zu den wenigen Nahrungsmitteln, die nennenswerte Mengen der Krebsschutzsubstanz „Ellagsäure“ enthalten. Außerdem bietet die Walnuss mit dem enormen Teil von 75 % ungesättigten Fettsäuren einen Schutz vor Herz-Kreislauf-Krankheiten. 5 Walnüsse täglich halten die Arterien frei.
